Sep 01 2010

hauen

Autor Gunhild Simon at 13:27 Kategorie Etymologie, Grammatik

Heu

Heu

Foto: Erich Westendarp
© hpgruesen / PIXELIO

Im Neuen Testament wird über Jesu Gefangennahme berichtet. Als die Häscher ihn stellen, erhebt Simon Petrus das Schwert und schlägt einem der Knechte des Hohepriesters, Malchus, das rechte Ohr ab.

“Und einer aus ihnen schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab.” [1]

In neueren Fassungen steht schlug statt hieb. Möglicherweise wird hieb nicht mehr allgemein verstanden, denn es gehört in die gehobene Sprache, in die der biblischen Geschichten und Märchen. Dazu gesellt sich das altertümliche Substantiv Hieb, Hiebe für Schlag, Prügel. In heutiger Sprache ist das Wort in der Wendung auf Anhieb geläufig.

Das Bemerkenswerte an dem finiten Verb er hieb sind seine Stammformen. Die sind nämlich eigentlich unvollständig, besser, mit denen eines anderen, schwach flektierten Verbs vermischt. Das andere, Gleichbedeutende lautet hauen, dazu das Substantiv Hauer Bergmann oder Reißzähne (des Wildschweins) und Haue, umgangssprachlich für Schläge,.

Den Infinitiv, die Präsens- und Partizip-II-Formen teilen sich beide Verben. Daraus ergibt sich das folgende Nebeneinander:
hauen, haute, gehauen
hauen, hieb, gehauen

Ungewöhnlich scheint bei der Betrachtung beider Verbformen vor allem das b in hieb, das sich durch alle Personen im Präteritum zieht: ich hieb, du hiebst, er hieb, wir hieben, ihr hiebt, sie hieben.

Zieht man etymologische Quellen zu Rate, so ergibt sich mittelhochdeutsch houwan, althochdeutsch houwan, mit weiten Bedeutungsfeldern, die sich um Krieg [2], Bodenbearbeitung und Ernte drehen: nieder-, zerhauen, schlagen [3], stechen; behauen, bearbeiten,; schneiden, mähen, ernten; niederländisch houwen; englisch to hew hauen, hacken. Nun lässt sich auch Heu als Ausdruck für gemähtes Gras deuten.

Etymologisch lässt sich also die Lautverwandtschaft zwischen w/vund b zurückverfolgen – sichtbar ist dies auch in Wörtern wie spanisch trabajar, französisch travailler.

Das Verb hauen hat seinen früheren Gleitlaut w eingebüßt, er zeigt sich nur noch in den unregelmäßigen starken Konjugationsformen wie hieb.

[1] Lukas 22:47-53 Jesu Gefangennahme

[2] “…die Starken sind zerhaun” Andreas Gryphius: Tränen des Vaterlandes

[3] “Ich ging ein’ Mai zu hauen
hin durch das grüne Gras.”
aus dem Volkslied “Der Winter ist vergangen”


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